Interview Rolf-Fritz Schill

   
 


 

 

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Interview mit Rolf-Fritz Schill

Dieses Interview wurde geführt von der 
"Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Dezember 2008.

 

 

 

FAZ: Herr Schill, die "Schwarzwaldklinik", die fünf Jahre lang leer stand, soll verkauft werden. Wie wird das enden?
Schill: Ich hoffe, dass sich ein Käufer findet. Die Lage würde sich wunderbar für ein Hotel anbieten. Urlaub in der "Schwarzwaldklinik", das wär doch was. Ich will gar nicht daran denken, dass das schöne Gebäude vielleicht sogar abgerissen wird. 

FAZ: Müssten Sie Ihren Laden dann schließen?
Schill: Ja, es ging eh nur noch abwärts, seitdem die Serie nicht mehr ausgestrahlt wird. Früher stand eine Schlange von 150 Touristen vor unserer Toilette. Damals haben wir uns geärgert. Heute wären wir froh, wenn's die Schlange noch gäbe. 

FAZ: Interessiert sich überhaupt noch jemand für Ihre Souvenirs?
Schill: Es tröpfelt so vor sich hin. Ein paar Ungarn kommen, Italiener und Franzosen, aber die trinken höchstens mal einen Eiskaffee. Es ist alles bescheidener geworden, die Kaufkraft ist weg. Wir sind halt nicht Neuschwanstein. Japaner kommen zum Beispiel überhaupt keine, obwohl die Serie da ein Hit war.

FAZ: Als die "Schwarzwaldklinik" 1985 in die deutschen Wohnzimmer kam, wurde das Glottertal auf einen Schlag berühmt. Haben Sie als Schwabe das Marktpotential sofort gewittert?
Schill: Zuerst hatte ich alles falsch gemacht. Ich hatte einen Friseursalon, einen Souvenirladen und ein kleines Café. Der Salon schrieb rote Zahlen, die Souvenirs wollte keiner haben, und das Café lief so lala. Also habe ich den Salon geschlossen, die Souvenirs verramscht und alles aufs Café gesetzt. Keine zwei Wochen später kamen die Serie und die Reisebusse mit Horden von Fans, die nach Souvenirs fragten. Also habe ich wieder Souvenirs bestellt, "Schwarzwaldklinik"-Souvenirs.

FAZ: Was denn so?
Schill: Alles. Eine Klinik aus Pappe zum Selberbasteln, "Schwarzwaldklinik"-Sherry, Porzellan, Kugelschreiber, Feuerzeuge, Puzzlespiele, Schallplatten, Musikkassetten - und einen Doktorkoffer aus Plastik für die Kinder.

FAZ: Das sind Sie wirklich alles losgeworden? 
Schill: Früher ja. Die Serie war für uns ein unglaublicher Glücksfall. Sie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Wie plötzlich alles florierte - unbeschreiblich! Wir wurden richtig überrumpelt.

FAZ: Das ganze Dorf hat Kasse gemacht.
Schill: Na, so würde ich das nicht sagen. Es gab viel Neid - von denen, die weiter unten wohnen, nicht so nah in der Klinik. Da hat es schon mal geheißen: Der Schill da oben, der macht seine Knete. Ich habe aber immer gesagt: Freunde, kommt hoch, macht eine Würstelbude auf, verdient mit. Menschenskind, die Serie kam doch allen zugute. Aber die wollten am Wochenende nicht arbeiten. 

FAZ: Jetzt ist es vielleicht endgültig vorbei. Die Klinik wird verkauft. Produzent Wolfgang Rademann hat sich gegen eine Neuauflage der Serie ausgesprochen. 
Schill: Ich bleibe optimitisch. Anfang der Achtziger brach der Tourismus ein wegen des Waldsterbens. Dann kam die "Schwarzwaldklinik", und alles wurde gut. Heute haben wir die Finanzkrise. Also muss wieder eine neue Folge der "Schwarzwaldklinik" her. 

FAZ: Der "Schwarzwaldklinik"-Fanclub hat dafür 17.000 Unterschriften gesammelt.
Schill: Ach die! Es gibt zwei Fanclubs, und die sind auch noch zerstritten. Ich habe auch 1.000 Unterschriften gesammelt. Aber eigentlich fahre ich eine andere Strategie...

FAZ: Aha.
Schill: Ich bin Wolfgang Rademann sozusagen befreundet. Er hat mich letztes Jahr sogar zur Beerdigung von Klausjürgen Wussow nach Berlin eingeladen. Wir sind in ständigem Kontakt.

FAZ: Sie telefonieren mit dem Produzenten?
Schill: Wir schreiben uns Postkarten. Rademann produziert ja auch das "Traumschiff", und so bekomme ich Postkarten von ihm aus allen Ecken der Welt: Malta, Malaysia...

FAZ: Was schreiben Sie sich denn?
Schill: Ich versuche, leichten Druck auszuüben. Ich bin mir sicher, wenn ich ihn überreden könnte, einmal im Jahr eine Folge zu machen, und er ruft die Schauspieler an, die wären alle wieder da.

FAZ: Das wäre doch nichts ohne den Professor Brinkmann! Und Eva-Maria Bauer alias Oberschwester Hildegard ist auch verstorben.
Schill: Klar, es müsste eine neue Idee her. Einmal im Jahr ein Special, acht Millionen Zuschauer, das würde reichen. Mit der Eva-Maria Bauer, der Oberschwester Hildegard, habe ich übrigens jahrelang eine ganz intensive Freundschaft gepflegt. Ganz intensiv.

FAZ: Sie hatten was mit der Oberschwester?
Schill: Um Gottes Willen, nein. Aber ich zählte zu ihrem engsten Bekanntenkreis. Sie hat bei uns übernachtet, und wir haben zusammen Geburtstage gefeiert.

FAZ: Aber die Schauspieler waren doch immer nur auf ein paar Drehtage da.
Schill: Ich habe den Kontakt gesucht. Das war ich meinen Gästen im Souvenirladen schuldig. Die wollten Geschichten hören, die habe ich geliefert. Mal Insidertipps, mal eine Autogrammkarte. Wissen Sie, im Dorf meinten viele, die Gäste kommen nur wegen der Landschaft. Natürlich ist die Landschaft schön hier. Aber die meisten Gäste, darunter gehobene Klientel, sind nur wegen der "Schwarzwaldklinik" gekommen. Auch wenn viele das nie zugegeben hätten. (Eine Kuckucksuhr im Hintergrund: kuckuck, kuckuck)

FAZ: Es klingt wirklich idyllisch bei Ihnen.
Schill: Ja, aber die Kuckucksuhr-Hersteller sind auch am Klagen. Keiner kauft mehr Kuckucksuhren.



Dieses Interview wurde geführt von: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Eingestellt am: 25.12.2008

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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